
DIE AKTUELLE KOLUMNE DES BUNDESTAGSABGEORDNETEN ENAK FERLEMANN MdB
Zurück zur D-Mark?
Wird die Gegenwart ungemütlich, sehnt man sich nach der Vergangenheit. Das gilt auch für die derzeitige Krise des Euro. Während unsere Gemeinschaftswährung unter Druck geraten ist, wünscht sich eine Mehrheit der Deutschen laut Umfragen die D-Mark zurück.
Der Euro ist im Herz der Menschen nie richtig angekommen. Da fällt es umso leichter, ihn jetzt zum Abschuss freizugeben. Aber das wäre fatal. Auch ich habe beste Erinnerungen an die Mark. Mit ihr habe ich mein erstes Auto gekauft, die Miete meiner Studentenbude bezahlt und das erste Kinderbuch für meinen Sohn.
Trotzdem bin ich heute für unsere gemeinsame Währung dankbar. Und das hat nicht nur mit der Tatsache zu tun, dass wir vor dem Urlaub nicht mehr zeitraubend in Lira, Peseten und Co. umtauschen müssen. Gerade unsere mittelständische Wirtschaft profitiert deutlich vom Wegfall der Wechselkursschwankungen und die Inflation war noch nie so niedrig wie seit der Einführung des Euro.
Ein Zusammenbruch des Euro hingegen hätte unabsehbare Folgen. Der Finanzmarkt würde wohl massiv in die neue, alte Mark investieren, deren Kurs in die Höhe schießen. „Made in Germany“ wäre dann unbezahlbar. Für den Exportweltmeister Deutschland stünden abertausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Freilich ist das nur ein Szenario. Aber es verdeutlicht den Wert unserer gemeinsamen Währung.
Deswegen müssen wir das Vertrauen in den Euro wieder herstellen. Angesichts der beschleunigten Krisendynamik besteht kurzfristig keine Alternative zum Euro-Rettungsschirm. So soll die Zahlungsunfähigkeit von Mitgliedstaaten verhindert werden. Der Markt brauchte ein Signal, dass die Euro-Länder auch in Zukunft ihre Verbindlichkeiten werden bedienen können.
Jetzt führt kein Weg vorbei an dem, was unsere Bundeskanzlerin in der EU zu Recht fordert und als neue Stabilitätskultur bezeichnet. Die Kriterien des Euro-Stabilitätspakts müssen mehr denn je strikt eingehalten, vielleicht verschärft und Verstöße in jedem Fall strikt sanktioniert werden. Für uns Deutsche bedeutete dass, die Einsparung in den öffentlichen Haushalten so vorzunehmen, dass wir 2013 das sogenannte Maastricht Kriterium, 3 % Neuverschuldung vom Bruttoinlandsprodukt, als Neuverschuldungsobergrenze einhalten müssen. 2016 dann eine Neuverschuldungsobergrenze von 0,35% des Bruttoinlandsproduktes. Dies wird auch in Deutschland starke Einschnitte der öffentlichen Leistungen zu Folge haben, ist aber zur Stabilisierung der Währung unabdingbar. Nicht zuletzt wegen der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse kann Deutschland als Vorbild vorneweg gehen. Diesem Zielen fühle ich mich insbesondere im Interesse unserer nachfolgenden Generationen verpflichtet.




